»Flauschiger Realismus«
von Tom Korn
Samstag, 30. September 2006 | 20 Uhr
Ausstellungseröffnung |»BILDER
Austellungsdauer 30. 09. — 08. 10.
»Flauschiger Realismus«
Tom Korn und seine Teppichbilder in der Galerie Linda Ein Verkaufspavillon aus Katowice. Sozialistischer Neoklassizismus. In der Realität trifft da das menschliche Auge auf steinhartes Plastik – in Tom Korns Bildern wird seine Außenfassade zum Streicheln schön. Sie besteht aus Teppich. Der gelernte Schriftsetzer -„an sich bin ich der letzte Bleisetzer Kölns“ -studierte nur kurz an der HGB Leipzig Malerei/Grafik. „Ich war auf der Suche nach einem anderen Material, die Welt mit dem Zeichenstift neu zu erfinden, das entsprach mir nicht.“ Sein Material fand er vor sieben Jahren beim Konkurs eines großen Möbelunternehmens in Flensburg: Teppichmusterkataloge. Seitdem setzt er aus tausenden bis zu zwei mal zwei Millimeter kleinen Puzzleteilen seine Bildwelten zusammen, leinwandgerecht oder postkartengroß.
„Produktbedingt arbeite ich in einer begrenzten Welt, am Ende habe ich es mit 256 Farben zu tun, na gut, mittlerweile kenne ich vielleicht 300.“ Vor allem die über 20 Grau-Schattierungen eines großen deutschen Herstellers haben es ihm angetan. In Hamburg ist dies gut zu sehen in der Arbeit „Damp 2000“ -einer für ihn typischen Darstellung eines Hochhausblockes. Eine zweite Begrenzung für seine Arbeit findet Korn in der Größe seines fahrbaren Ateliers. Die Schnittbögen für seine Motive berechnet und erstellt er nämlich per Hand in seinem Wohnmobil.
Das Unterwegssein ist sicherlich eine Basis seines Schaffens. Als „Ausgleichssport“ zu seinen rechtwinkligen Kunstwelten betreibt er „die chaotische Entwicklung von Geschmackspositionen“, Korn bekocht Tanz-und Musikfestivals. Und ob Edfringe in Edinborough oder Fusion in Mecklenburg- Vorpommern, nach getaner Arbeit geht er auf Motivsuche. Vor allem osteuropäische Bauten haben es ihm in den letzten Jahren angetan, Reisen nach Riga, Warschau, Tallin oder Prag spiegeln sich in seinen Arbeiten wieder. In seinem Atelier stapeln sich zurzeit Bildbände aus sozialistischen Zeiten. Da schließt sich die Frage an, ob das Arbeiten mit dem doch sehr heimeligen Teppichstoff nicht auch ein wenig Heimatsehnsucht mitspielt. „Es entbehrt sicherlich nicht einer gewissen Ironie“, lacht Korn, „wenn ich mit den Fassaden sozialistischer Einheitsarchitektur oder der großer Supermarktketten spiele. Es ist ja egal, wo sie in Deutschland oder in den benachbarten Ländern einkaufen, die Reißbrettarchitektur bleibt die Gleiche. Man bewegt sich, aber es sieht aus wie zuhause, flauschig, nicht?“
Tom Korns Fortsetzung der „Malerei mit anderen Mitteln“ gibt es nun in in der Galerie Linda zu sehen. Neben großflächigen Veloursteppichcollagen zeigt Korn fast seine gesamte Postkartenserie. Im „Urlaubsgrüßeformat“ widmet er sich kleinen im Alltag gerne übersehenen Details. Nicht nur Kirchtürme, auch Schornsteine können beeindrucken, so sie in Teppich neu erscheinen. Vom 30. September bis 8. Oktober in der Galerie LINDA.
© Mazek 2006 (www.grueneorange.de)